Sonntag, September 17, 2006

In allen 4 Ecken

Das Leben einer Mutter... eine endlose Kette von Herausforderungen.
Seit Lotte ein Schulkind ist, gibt es in meinem Leben eine Menge neuer Dinge. Auf manches war ich gut, auf manches schlecht vorbereitet, aber auf mindestens eines überhaupt nicht.
Vriendenboekjes. ("Freundschaftsbücher"?)

Es handelt sich hierbei um vorwiegend in pink und glitzerig gehaltene Büchlein oder Kladden, die Neuzeitvariation auf ein Poesiealbum.
Damit die tägliche Zeit zwischen Schulschluss bzw. Betreuungsschluss und Schlafengehen (minus Heimweg, Abendessen, Umziehen, Waschen, Bettritual) uns nicht langweilig wird, dürfen wir... äh ich... nun also auch noch ernstzunehmende Zeitmengen damit verbringen, möglichst geistreiche Texte und Bastelarbeiten für die Vriendenboekjes der Mitschülerinnen auszuspucken bzw. solche mindestens zu initiieren. Klar, dass die Mädels ihre Boekjes sämtlich am folgenden Schultag zurück erwarten(*), daher der Stress. Aber ehrlich gesagt... auch wenn ein Wochenende dazwischenliegt: Entspannt ist anders.
Ja, ich weiß, ich habe einen Kontrolltick. Und ich weiß auch, dass es eine gute Übung in Gelassenheit sein könnte, Lotti allein ans Werk gehen zu lassen. Aber erstens, muss die jeweilige Vriendenboek-Aktion immer erst angeleiert werden(*), das bleibt also in jedem Fall an mir hängen, und zweitens, und weit wichtiger... das Kind ist vier. Hallo?!
Es kann nicht lesen und bis auf ihren Namen auch nicht schreiben! Es muss ihr also jemand "helfen"!
Da sitze ich also mit meiner 4jährigen Tochter am bereits gedeckten Tisch, auf dem Herd kocht sich das Abendessen, und ich höre mich Fragen stellen wie "Was ist dein Idol?" oder "Was ist dein Hobby?". Wie bekloppt muss man sein...
Ich hab dann mal locker entschieden, dass paraphrasieren wohl sicher in Ordnung geht und im zweiten Versuch auf die Fragen "Wen findest du ganz toll?" und "Was machst du am liebsten?"die Antworten "Dich!" und "Schlafen!" bekommen.
Schnell notiert, zugeklappt, Essen ist fertig!
Schön. Vriendenboekjes. In Lottes Klasse gibts pi mal Daumen 12 Mädchen, wenn bis zum Ende des Schuljahres noch etwa 3 neue Schülerinnen dazukommen, und abzüglich der 3, die wir schon abgearbeitet haben, abzüglich Lotte selbst... macht 12. Aber was ist mit den Parallelklassen? Und was ist mit den Jungs?
Ich seh' schon, da kommt was auf mich zu.
Aber offenbar leide hauptsächlich ich, denn vorhin tauchte mein Kind tatsächlich in der Küche auf um mich zu fragen, wann sie denn wohl mal endlich ihr eigenes Vriendenboekje bekäme.
Wahrscheinlich ist das alles völlig normal und war schon immer so.
Obwohl... als meine Eltern mir damal die Tanzschule verboten, weil sie meinten, ich sei mit 14 noch zu jung, und ob alle anderen auch gingen, das sei ganz egal, und Tanzschule, das sei was für 16-jährige... damals konnte ich immerhin laufen!
Fürs Erste trainiere ich die Sache mit dem Gelassensein und freue mich über kleinste interkulturelle Erkenntnisse:
"Rode bessen, rode mond - lieve xx, blijf gezond!"
Steffi

1 Comments:

Blogger Nic said...

Ich habe mich gerade totgelacht!!!

Luzie ist 4, im Kindergarten (!) und kann außer ihren Namen, Mama und Papa weder Lesen noch Schreiben... Ich hatte bestimmt schon 10 Freundschaftsbücher zu Hause, Luzie hat ein eigenes zum Geburtstag von einer Freundin bekommen... ich bekomme die Krise, wenn ich so ein Teil sehe!!!

Mitfühlende Grüße! Nic

4/10/06 16:40  

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